Abenteuer Kolumbien - Aufstieg Escobar`s

26.01.2018

Die Wohnung wird umgeben von einem süßlich bekannten Geruch. Der Kaffee kocht. Und diesen habe ich auch bitter nötig. Ich bin bestimmt kein Mensch der den Kaffee in seine tägliche Morgenroutine einplant, doch das nächtliche Rendezvous mit der Kloschüssel und die Alienartigen Beschallung der im Dach lebenden Straßenkatzen lassen mir keine andere Wahl. Mit müden Schritten schleife ich zu unserem glasigen Esstisch. Klappe den Laptop auf, schaue was ansteht. Sofort fällt mir ein Wort aus meiner To-do Liste ins Auge. Dort steht es, scharf wie ein Fleischermesser. BLOGEINTRAG! Sofort bin Ich hellwach. Neuer Content für "Abenteuer Kolumbien" muss her. Und Ich habe große Lust denn es steht ein interessantes und nicht ganz unkritisches Thema an. Ein Thema welches Kolumbien immer noch tief trifft und für welches es internationale Bekanntheit erlangte. Frägt man einen Gringo nach Gabriel José García Márquez oder Simón Bolívar muss man mit zurückfragenden, hilflosen Gesichtsausdrücken rechnen. Fällt jedoch der Name Pablo Escobar, ist schlagartig jeder ein Experte und die Gemüter flammen auf. Also lasst uns reden! Über diesen Mann dessen Name für vieles steht, lasst uns reden über "el Patrón" Pablo Emilio Escobar Gaviria:


++++++Vorab, Ich bin mit Sicherheit kein Experte in diesem Gebiet. Alles was hier niedergeschrieben wird habe ich mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren von Zeitzeugen und Einwohnern gehört. Die Serie über Escobar wird in 3 Teilen gegliedert sein. Das ist Teil 1. Viel Spaß!+++++


Es ist schon dunkel als Ich in der 2.größten Stadt Kolumbiens die Stadtgrenze überschreite. Und mir wird gleich klar, diese Stadt ist anders. Und ich sollte Recht behalten. Sie ist um einiges moderner als die anderen kolumbianischen Großstädte. Das Klima ist sehr frühlingshaft und für Europäer sehr angenehm. Auch die Touris sind speziell. Denn bevor ich Erfahrung mit der Stadt und den Einheimischen Paisas (=Bezeichnung für aus Medellín stammenden Menschen) machen konnte. Wurde erstmal in das Blacksheep Hostel eingecheckt. Nebenbei bemerkt ein super Hostel. Doch die dort auf Zeit lebenden Touristen ekelten mich an. Die Sorte von Amerikaner die einem die Galle hochkommen lässt. Überheblich, arrogant und dumm. Lediglich 2 Iren wirkte recht sympathisch, was scheinbar auf Gegenseitigkeit beruhte. Doch das soll heute nicht das Thema sein, und da ich euch meine lieben Leser nicht enttäuschen möchte, hier das weshalb ihr auf den Link geklickt habt.

PABLO ESCOBAR

Wer ist dieser Mann? Drogenbaron, Volksheld oder Terrorist? Beginnen wir mit seiner Laufbahn.

Pablo erreichte mit 44 Jahren für einen Narcotraficante ein relativ hohes Alter. Geboren wurde er am 1. Dezember 1949 in Rionegro (50km entfernt von Medellín). Als dritter Sohn von sieben Kindern eines Campesino (=Bauern) und einer Lehrerin. Später zog die Familie aus dem ländlichen Rionegro in die Millionenmetropole Medellín. Oft geht man davon aus das P.E. aus Armut handelte. Doch das ist nicht ganz richtig. Die Familie gehörte dem Mittelstand an, hatte also nicht gerade viel Geld, musste aber auch nicht hungern. Auch hatte der junge Escobar genug Möglichkeiten einen geraden Weg zu gehen. Doch ihm war schon mit jungen Jahren klar was er wollte. So fragte ihn einmal eine seiner Lehrerin: "Was er später mal werden will". Während die anderen Kinder ihre Wahl auf Feuerwehrmann, Musiker oder Polizist legten. Gab es für Pablo nur einen Weg. Sein Traumberuf war Millionär. Dieses Ziel verfolgte er, wie sich später zeigen sollte, ohne Skrupel und mit eisernem Kurs. Die Schule sah er dabei als ein Hindernis und brach sie darauf hin ab. Ab diesem Moment ging es mit seinem Leben erstmal bergab, seine kriminelle Karriere stieg jedoch zeitgleich in schnellem Tempo an. Zusammen mit seinem Cousin verbrachte er große Teile seiner Jugend auf der Straße. Rauchte Grass und knöpfte mit den ersten Unterweltgrößen Bekanntschaft. Seine Liste der Straftaten war lang und ging von Schmuggel über Raub bis hin zu Autodiebstahl. Später beteiligte er sich dann auch an Gangaktivitäten, in welchen er Personen entführte und bei ausbleibenden Lösegeldzahlungen ermordete. Mitte der 70-Jahre gewann die Modedroge Kokain immer mehr an Beliebtheit. Escobar, welcher davor schon Erfahrungen im Marihuanaschmuggel machte, war mit wenigen anderen Kolumbianern Pionier in diesem Boom-Geschäft. Während seiner besten Jahren soll er als einer von 2 Anführern des Medellín-Kartells bis zu 1,5 Millionen Dollar Gewinn pro Tag eingefahren haben. Der Rest der Geschichte ist vielen bekannt. Zuerst lief es wie am Schnürchen, zwar kam es immer wieder zu kleineren Störungen, diese ließ El Patrón dann aber einfach von seinen Sicarios (=Auftragsmördern) aus dem Weg räumen. Sein bekanntester Sicario ist der nun in Freiheit lebende Jhon Jairo Velásquez auch "Popeye" genannt. Ihm alleine werden bis zu 300 Morde vorgeworfen. Der Reichtum nahm unglaubliche Formen an. Sein Vermögen wird in seiner Blütezeit auf 30 Mrd. Dollar geschätzt. In den 80er Jahren stammten 4 von 5 Kokalines in den Staaten von dem Kartell aus Medellín. Alleine für Gummibänder, welche für das Bündeln von Geld nötig waren, gab er monatlich um die 2500$ aus. 1989 stand Escobar auf der Forbes Liste als 7. Reichster Mensch der Welt. Im Laufe der Jahre stieg Pablos Macht mit der immer größer werdenden Menge Kokain. So kam es 1982 sogar soweit das er als Abgeordneter in den kolumbianischen Kongress gewählt wurde. Dies musste er jedoch aufgrund eines Ehrenhaften Mannes schnell wieder niederlegen. Denn einer der wenigen, ehrlichen nicht korrupten Politikern war damals der Justizminister Rodrigo Lara Bonilla, er machte Escobar ordentlich Feuer unterm Hintern. Logischerweise musste er das später, wie viele andere Gegner, mit seinem Leben bezahlen. Ein leider viel zu oft vergessener Held. Unter anderem durch ihn wurde Escobar immer mehr in die Ecke gedrängt. Aus dieser Zeit stammt sein Zitat: "Lieber ein Grab in Kolumbien als eine Gefängniszelle in den Vereinigten Staaten." Denn die kolumbianische Regierung hatte einen Auslieferungsdeal mit den Staaten vereinbart. Dies gefiel Escobar natürlich nicht. Der "Paisa Robin Hood" wurde zu einem Terroristen. Am 27. November 1989 holte er z.B. ein Flugzeug vom Himmel, 101 Menschen verloren ihr Leben. Immer mehr wurde die Zivilbevölkerung in den Konflikt hineingezogen...


Mehr erfahrt ihr im nächsten Teil von "Abenteuer Kolumbien". In diesem befasse ich mich mit der Legende des "Paisas Robin Hood" und dem Niedergang des Kartells.