Abenteuer Kolumbien - Kaffeedreieck

05.01.2018

"Felix wie ist Kolumbien?", ist eine der häufigsten Fragen die auf mich einprasseln wie ein kalter Herbstregen. Ein Herbstregen welcher einem die Wörter raubt. So ergeht es mir jedes Mal wenn ich versuche dieses Land zu beschreiben. Für das Land Kolumbien gibt es keine Wörter welche es einheitlich beschreiben oder zusammenfassen, jedes Departemento (Bundesland) ist in seiner Kultur, seiner Landschaft und seines Klimas einzigartig. Kolumbien wirkt wie ein Zusammenschluss viele verschiedener Länder.

Wie ich zu dieser Aussage komme? Ganz einfach, ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. 3 ½ Wochen war ich unterwegs, knapp 4.000 km durch (fast) ganz Kolumbien. Los ging es am 09.12.2017 in meiner aktuellen Wahlheimat Cali. Nachdem morgens noch ein paar organisatorische Angelegenheiten geklärt werden mussten, ging es los. Die Mischung aus Vorfreude und Ungewissheit ist auch heute noch unbeschreiblich. Klar hatte ich mich vorbereitet, die Honda nochmal checken lassen und die grobe Route geplant. Doch trotz alledem habe ich auch heute noch keine Ahnung von Motorrädern. Dies war auch unter anderem ein Grund für die verfrühte Heimkehr (geplant waren ursprünglich 4 Wochen). Doch dazu später mehr.

Die erste Etappe war Armenia, nicht das Land, sondern die Stadt, welche sich in der Kaffeeregion befindet. Und zack durfte ich die erste Erfahrung mit dem wechselhaften Wetter des Kaffeedreiecks machen. Im gleichen Moment in welchem ich die Stadtgrenzen überschritt, prasselte ein monsunartiger Regen auf mich herab. Klitschnass und an zahlreichen Unfällen vorbei, erreichte ich dann endlich mein Hostel. Viel zu bieten hat die Stadt leider nicht. Doch eines können die Leute in Armenia, verdammt guten Kaffee machen und extrem nett sein. In keiner anderen Stadt waren die Leute so freundlich wie hier. So bin ich am nächsten Tag mit geschenktem Proviant und gestärkt durch einen Tinto nach Salento aufgebrochen.

Diesmal besser vorbereitet konnte mir der Regen nichts anhaben. Von den Zähen bis an die Helmspitze war ich mit regenfestem Gummi umwickelt. Auch mein Rucksack hatte es schön trocken. Salento ist ein kleines Dorf und im Durchschnitt wohnen dort wohl mehr Touristen als Einwohner. Meiner Meinung nach raubt dieser Massentourismus den Orten die Magie für die sie eigentlich bekannt sind. So auch in Salento. Überteuerte Preise und an jeder Ecke Souvenirläden, welche die alten traditionellen Läden verdrängt haben. Doch lasst euch nicht abschrecken. Trotzdem ist Salento aufgrund des nahe gelegenen Valle de Cocora einen Besuch wert. Das Valle der Cocora befindet sich in einem Tal und beherbergt die größten Palmen Kolumbiens. Leider war es etwas diesig als ich das Tal durchschritt. Mit 2 anderen Deutschen und einem Israeli ging es daher auch recht zügig zurück nach Salento. Klassisch für Kolumbien hingen wir hinten an einem Jeep dran. Welcher einen kleinen Umweg durch sehr unebenes Gelände machte. Definitiv eine Erfahrung für sich! In Salento wurde dann noch zusammen gespeist, bevor sich die Wege wieder trennten (vorerst).

Nächster Stopp Pereira. Und wer hätte es anders erwartet wieder Regen. Ehrlich gesagt war der Start in Pereira etwas holprig. Gründe hierfür waren das menschenleere Hostel und das schlechte Wetter. Trotzdem entschied ich mich dafür 2 Nächte in der Handelshauptstadt der Kaffeeregion nieder zu lassen. Wie sich später zeigen sollte, eine gute Entscheidung. Denn Pereira hat in diesen 2 Tagen mein Herz für sich gewonnen. Pereira ist meine absolute Lieblingsstadt. Wieso? Das ist schwer zu erklären. Es ist ein Gefühl welches schwer zu beschreiben ist, ein Gefühl das bestimmt DU mein lieber Leser auch schon erfahren durftest. Ein Gefühl des sich wohl Fühlens, des glücklich seins, des sich zu Hause fühlen. Zusammenfassend ein Gefühl der Geborgenheit. Pereira ist nicht zu groß aber auch nicht zu klein. Die Stadt hat für Touristen nicht viel zu bieten, doch dort zu leben wäre ein Traum. Wenn ich jemals nach Kolumbien ziehen sollte, dann womöglich nach Pereira. Das anfangs menschenleere Hostel, war dann übrigens doch nicht so menschenleer. Es war immerhin noch ein anderer Gast aus der französischen Schweiz und die 2 Hostelbetreiber anwesend. Und so kam es das auf dem Hosteleigenem Balkon das ein oder andere Cervecita getrunken wurde. Eine sehr spaßige Truppe und 2 sehr Spaßige Tage.

Übrigens bietet Pereira unzählbar viele Möglichkeiten zu entspannen. So gibt es zum Beispiel die Termales Santa Rosa, ein freiluft Thermalbad in einer wunderschönen Landschaft mit einem Traum von Wasserfall. Die Wärme der Becken kommt außerdem aus dem Boden. Leider wurde die tiefenentspannte Gelassenheit von 2 Straßenhunden in null Komma nix zerstört. Diese Köter schnappten auf dem Heimweg nach mir. Nur mit Glück konnte ich den beiden entkommen.

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Im nächsten Teil geht es nach Medellin und damit auch um den leider bekanntesten Kolumbianer Pablo Emilio Escobar. Ich habe mich auf die Spuren des ehemaligen Kartellchefs gemacht. Also seid gespannt!!!